Strophe 1: Hausputz

Das bisschen Haushalt ...

macht sich von allein und kann so schlimm nicht sein

Im 14. Jahrhundert erklärt im Menagier de Paris ein Ehemann seiner (sehr jungen) Ehefrau, welche Aufgaben jeden Morgen zu tun sind: die Eingänge des Hauses und dort, wo die Leute zum Reden stehen bleiben, sind zu fegen, den Staub von den Schemeln zu wischen und die Decken und Bezüge von den Bänken sind auszuschütteln, was anschließend auch in den anderen Räumen erfolgen soll.
Weiter enthält das Buch Methoden das Haus von Ungeziefer wie Flöhe, Mücke oder Fliegen. Der letzte und mahnend klingende Satz: am besten gegen Fliegen hilft NICHTS liegen zu lassen, was die Fliegen anzieht und sie sich darauf niederlassen mögen. Mit anderen Worten: Aufräumen, keine Lebensmittel rumstehen lassen und danach feucht wischen. 1) Im detaillierten Haushaltsbuch der Dame Alice Breyene für die Jahr 1412/1413 sind 6 yards Leinensoffe zum Putzen von Fenstern und Gefäßen aufgeführt. 2)


In der Arbeit von Hans Waiblinger 3), welche die Sprache des Menagier de Paris untersucht, sind die verschiedenen Tätigkeiten und Gerätschaften des französischen mittelalterlichen Sprachwortschatzes aufgezählt, die sich in Zusammenhang mit dem Hausputz stehen: Tuch oder Küchentuch verschiedener Qualitäten und Größen und Serviette für Mund oder Tellertuch (dieser Begriff wird bereits ab 1328), Handtücher und Rolltücher, abstauben, fegen oder auskehren, Besen, Reisigbürsten, eine kleine Bürste zum Reinigen von Kleidungstücken. Das Wort für reinigen, säubern, putzen gibt es in verschieden Schreibweisen, dazu kommen noch abwischen bzw. abreiben. Weiter wird eingeweicht und in fließendem Wasser abgespült, mit Wischtuch oder Schwamm und neben dem Wort Seife und Lauge wird auch eine spezielle Spülflüssigkeit aus Essig und Spülwasser aufgezählt.


Im Alt bzw. Mittelhochdeutschen 4) steht das Wort furben, (vurben, fürben, vürben) für fegen, reinigen und putzen. Im Lehrgedicht Der Ring von Wittenweiler (geschrieben ca. 1410) steht: Das sey kuchi, visch und pett, schon berät und sauber halt, wol sey pey dir werden alt. Häiss sey fürben, näyn und spinnen, melchen, saugen, wilt du gewinnen! Lass sey selten müssig gen! Daz selbig scholt du auch versten. 5)


Und auch im Gedicht vom Haushalt werden verschiedene Haushaltgegenstände aufgezählt. 6) Neben vielen auch schon im Menagier die Paris erwähnten Dingen auch eine Fliegenwedel.

Aktuell ist die Quellenlage mager - was daran liegen könnte, dass mir die richtigen Publikationen nicht vorlagen - finde ich was, werde ich das ergänzen - oder vielleicht auch, dass sich die Wissenschaft bisher wenig mit dem Thema auseinander gesetzt hat. Vielleicht zu alltäglich, zu unbedeutend, zu ungeliebt oder vielleicht wirklich nicht dokumentiert. Sicherlich nicht, weil nicht geputzt wurde. Denn das wurde - mit Besen, Schaufel, Eimer, mit Lappen und Wischtuch - so wie meine Oma!


Der Artikel zum Runterladen: Hausputz.pdf

Quellen

1) The Good Wife's Guide (Le Ménagier de Paris): A Medieval Household Book

2) Peter Brears, Cooking & Dining in Medieval England, 2008 S. 212

3) Waiblinger, Hans, Der Wortschatz des Ménagier de Paris in synchronischer und diachronischer Sicht
4)
www.wörterbuchnetz.de
5) Heinrich Wittenwiler, Der Ring. Text - Übersetzung - Kommentar. Nach der Münchner Handschrift hg.,
     übersetzt und erläutert von Werner Röcke unter Mitarbeit von Annika Goldenbaum, Berlin, Boston 2012
6)
Gedichte vom Hausrat aus dem XV. Und XVI. Jahrhundert (Classic Reprint) von Theodor Hampe


Bilder:

Digitale Sammlungen SLUB Dresden, Gedichte vom Hausrat aus dem XV. und XVI. Jahrhundert , Strassburg, 1899

The Medieval Woman: Illuminated Book of Days, by Sally Fox über;
http://www. underthegables.blogspot.com/
Universtität Heidelberg Digitale Sammlung Cod. germ.
85 Antonius von Pforr - Buch der Beispiele

 

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